Technische Informationen

Betrieb eigener Schachtförderanlage

SEDRUN, SWITZERLAND

Der Bau des mit 57 km längsten Eisenbahntunnels der Welt durch das Schweizer Gotthard-Massiv wird von beiden Enden und von drei sogenannten Zwischenangriffen aus durchgeführt. Ein Zwischenangriff liegt bei Sedrun, wo ein Stollen in den Berg führt, von dem wiederum ein Blindschacht hinunter zum eigentlichen Tunnel geteuft wurde. Während der Bauphase des Tunnels wird der Schacht für den gesamten Material und Personentransport genutzt. Außerdem wird er für die Versorgung der Baustellen mit elektrischer Energie, Druckluft, Brauchwasser und Verbrauchsstoffen benötigt sowie für die Wasserhaltung, und insbesondere auch für die Bewetterung mit Frischluft. Zusätzlich ist die gesamte Signal- und Kommunikationstechnik im Schacht untergebracht.

SIEMAG TECBERG erhielt den Auftrag über den Bau und Betrieb der vollautomatischen Schachtförderanlage für den Transport der Berge, des Baumaterials und des Personals. Der Schacht hat einen Durchmesser von 7,9 m und eine Teufe von 821 m. Die tägliche Förderleistung beträgt 6.350 t Berge pro Tag zuzüglich 50 Materialeinheiten sowie 960 Personen. Diese Kapazität erfordert eine 4-Seil-Koepe-Fördermaschine mit einem Drehstrommotor als Direktantrieb mit einer Leistung von 4.200 kW, die einen seilgeführten, zweietagigen Korb mit 50,8 t Nutzlast und Gegengewicht antreibt. Eine weitere Eintrommel-Förderanlage, ausgelegt als Mittlere Seilfahrtanlage mit zweietagigem Korb, Nutzlast 1,6 t, dient zur Nebenseilfahrt und als Hilfsfahranlage. Der Transport des Baumaterials und der Berge wird mit Großraumförderwagen durchgeführt, die eine durchgängige Förderung vom Tunnelvortrieb zum Baustellenlager über Tage sicherstellen. Wegen der zentralen Funktion dieses Transports und des erforderlichen hohen Durchsatzes ist die Beschickung der beiden Korbetagen ebenfalls automatisiert.

Die Förderwagen werden auf der Tunnelsohle und im Zugangsstollen im Zugverband auf ein Zuführgleis gefahren, dort entkuppelt und automatisch dem Schacht zugeführt. Bei Ankunft des Korbes an der Sohle werden einzelne Wagen von der Beschickanlage über eine Übergangsbühne automatisch auf die Korbetagen aufgeschoben. Gleichzeitig wird ein auf dem Förderkorb stehender Wagen von einer Abziehvorrichtung vom Korb gezogen und einem Ablaufgleis auf der gegenüber liegenden Seite der Sohle zugeführt. Von der oberen Ladestation werden die Wagen aus dem Zugangsstollen gefahren und entleert.

Seit 2002, voraussichtlich über einen Zeitraum von ca. 9 Jahren, ist SIEMAG TECBERG verantwortlich für den Betrieb der Schachtförderanlage des Zwischenangriffs Sedrun. Nach Beendigung der Bauarbeiten wird SIEMAG TECBERG an der Umrüstung des Schachtes beteiligt sein, der dann der Be- und Entlüftung des Tunnels dient.



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