Technische Informationen

Schachtanlage Komsomolskij

MMC - NORILSK NICKEL, NORILSK, Russland

MMC Norilsk Nickel, der weltweit größte Nickelproduzent, betreibt im Norden Russlands diverse Schachtanlagen. Alleine im Raum Talnach, in der Nähe der Stadt Norilsk auf der Halbinsel Taimyr, befinden sich fünf große Nickelerz- Lagerstätten – die größten der Welt überhaupt. Eine davon ist die Schachtanlage Komsomolskij. In enger Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner MT SIM AG (Schweiz/Repräsentanz Moskau) haben SIEMAG TECBERG und SIEMENS im April 2004 von MMC Norilsk Nickel den Auftrag erhalten, die komplette Modernisierung der Mechanik und Elektrik dieser Schachtförderanlage durchzuführen. Das Bergwerk Komsomolskij, Schacht SS, besteht aus einem Förderturm, der mit 2 doppeltrümigen Gefäßförderanlagen ausgerüstet ist. Aufgrund der langen Betriebsdauer und der daraus resultierenden Verschleißerscheinungen werden die Förderanlagen modernisiert. Da die Betriebsbedingungen keinen Dauerstillstand erlauben, wird die Modernisierung in 2 Abschnitten durchgeführt. Im Abschnitt 1 wird zunächst die südliche und im Abschnitt 2 die nördliche Förderung umgerüstet.

Durch die Modernisierung der elektromechanischen Ausrüstungen und die Automatisierung der Förderanlagen werden nachfolgende Ziele erreicht:

  • Erhöhung der Förderleistung bis 5,5 Mio. Tonnen Erz pro Jahr
  • Einsatz neuester Technik
  • Erhöhung der Standzeiten
  • Minimierung des Wartungsaufwands.

Zu den Modernisierungsmaßnahmen gehören folgende Lieferungen:

  • die Fördermaschinen mit Elektromotoren,
  • die Seilscheiben,
  • die Fördergefäße,
  • die Brecheranlagen für das Erz auf der Sohle -471 m,
  • die Füll- und Entladeanlagen sowie
  • die Bandanlagen auf der Sohle -540 m und über Tage von der Entladeanlage bis Übergabe auf die Bänder zur Aufbereitung,
  • einschließlich der kompletten Automatisierungstechnik mit Hard- und Software, d.h. mit allen Steuerungen sowie der Signal- und Kommunikationstechnik.


Allgemeine Beschreibung

Beide Förderungen (südliche und nördliche) dienen hauptsächlich der Erzförderung. Diese Erzförderung wird zwischen den Anschlägen -540 m (Beladung) und +15,6 m (Entladung) durchgeführt. Jeder Förderung sind nachfolgende neue Komponenten zugeordnet:

Die übertägigen Komponenten je Förderung:
  • Eine 4-Seil-Fördermaschine
  • Eine 4-Seil-Ablenkscheibe
  • Zwei Entladeeinrichtungen
  • Eine Schwingförderrinne, die unter dem Entladebunker angeordnet ist und das Erz auf die Bandanlage übergibt
  • Drei Bandanlagen bei der südlichen Förderung
  • Zwei Bandanlagen bei der nördlichen Förderung
  • Ein Magnetabscheider für die Bandanlagen
  • Ein Bandschleifenwagen für die Übergabe des Erzes in ein Freilager
  • Zwei Fördergefäße, die an Seilen geführt sind und an den Fahrwegenden (Beladung und Entladung) in feste Führungen einfahren.
Die untertägigen Komponenten je Förderung:
  • Zwei Backenbrecher
  • Zwei Schwingförderrinnen, die unter den dem Backenbrecher zugehörigen Erzrollen angeordnet sind
  • Eine Bandanlage, die im Wechsel von den Schwingförderrinnen gespeist wird
  • Zwei Fülltaschen mit Umstellklappe zum Verteilen des Fördergutes in die Fülltasche
  • Zwei Tischverschlüsse mit Verriegelung, die unterhalb der Fülltaschen angeordnet sind zur nahezu rieselgutfreien Übergabe des Erzes in die Fördergefäße 
  • Eine Pneumatikanlage zur Steuerung und Betätigung der Umstellklappe, des Tischverschlusses und seiner Verriegelung
  • Die Förderungen sind für automatischen Betrieb und Handbetrieb ausgelegt.

Für den Erztransport wurden folgende Anlagenteile konzipiert, geliefert und montiert:

  1. Je eine Brecheranlage mit Siebrinne für die südliche und nördliche Förderung.
  2. Je zwei Schwingförderrinnen für die südliche und nördliche Förderung, angeordnet unter den kundenseitig vorhandenen Erzrollen. Über diese Schwingförderrinnen wird das Erz über einen einstellbaren kontinuierlichen Erzfluss auf die Förderbänder aufgegeben. 
  3. Je ein Förderband für die südliche und nördliche Förderung mit integrierter Bandwaage zur Übergabe des Erzes in die Fülltaschen sowie einem Kratzerförderer zur Aufnahme des Rieselgutes im Bereich des Bandabwurfes.
  4. Je zwei Fülltaschen für die südliche und nördliche Förderung mit pneumatisch betätigten Umstellklappen zur Umleitung des Erzflusses in die Fülltasche für Fördergefäß 1 oder Fördergefäß 2. Zur Befüllung der Fördergefäße sind unterhalb der Fülltaschen pneumatisch betätigte Tischverschlüsse angeordnet. Die Tischverschlüsse sind so ausgeführt, dass nahezu kein Rieselgut anfällt.
  5. Je zwei Fördergefäße für die südliche und nördliche Förderung. Diese Fördergefäße sind ausgelegt für eine maximale Nutzlast von 30 t bzw. für ein Volumen von 13,6 m3 zur Förderung des Erzes von der Sohle -540 m nach über Tage.
  6. Je zwei Entladeeinrichtungen (schwenkbar) zum Öffnen des Fördergefäßverschlusses und zur Übergabe des Erzes in den kundenseitig vorhandenen Entladebunker.
  7. Je eine Schwingförderrinne für die südliche und nördliche Förderung, angeordnet unter dem Entladebunker zur Übergabe des Erzes auf die Bandanlagen.
  8. Ein Förderband (Querband) für die südliche Förderung zur Übergabe des Erzes von der Schwingförderrinne zu einem anderen Förderband.
  9. Je ein Förderband für die südliche und nördliche Förderung für den Transport des Erzes von dem Förderturm zur ersten Übergabestation.
  10. In jedes Förderband sind eine Bandwaage und ein Kratzerförderer zur Aufnahme des Rieselgutes im Bereich des Bandabwurfes integriert.
  11. Je ein Förderband für die südliche und nördliche Förderung für den Transport des Erzes von der ersten Übergabestation zur Übergabe auf das Förderband zur Aufbereitungsanlage Talnach in der ersten Übergabestation oder über einen Bandschleifenwagen zum Abwurf des Erzes in das Freilager der zweiten Übergabestation.

Ablauf des Erztransportes

Beschickung unter Tage

Das Erz wird über zwei Kreiselkipper in einen zugehörigen Bunker gefördert. Über eine unter diesem Bunker angeordnete Siebrinne wird das Erz entweder direkt
(Korn <150 mm) oder über den Brecher
(Korn >150 mm) in bauseits vorhandene Erzrollen gefördert.

Unter diesen Erzrollen sind Schwingförderrinnen angeordnet, die das Erz dosiert auf ein Förderband aufgeben. Jede Schwingförderrinne hat eine Leistung von min. 850 t/h. Da auch die Bandanlage für diese Leistung ausgelegt ist, ist während der Förderung immer nur eine Schwingförderrinne im Einsatz.

Das Erz wird nun über das Förderband zu den Fülltaschen transportiert. Die maximale Nutzlast von 30 t je Förderzug wird durch die in die Bandanlage integrierte Waage erfasst. Ist das Gewicht erreicht, wird die Umstellklappe oberhalb der Fülltaschen verstellt und das Erz in die andere Fülltasche gefördert. Durch die an den Fülltaschen angebaute Mikrowelle wird ein Überfüllen (Volumen > 13,6 m3) verhindert.

Das in der Fülltasche befindliche Erz wird nun über den pneumatisch betätigten, schwenkbaren Tischverschluss nahezu rieselgutfrei in das vorstehende Fördergefäß gefördert.

Entladung im Übertagebereich

Das mit Erz beladene Fördergefäß fährt mit geringer Geschwindigkeit in die Entladeeinrichtung ein. Durch den pneumatisch betätigten Schwenkbaum wird der Nutzlastraum so weit aus dem Schachtbereich herausgeschwenkt, dass sich der Fördergefäßverschluss automatisch öffnet und das Erz wird nahezu rieselgutfrei in den Entladebunker übergeben.

Unter dem Entladebunker ist eine Schwingförderrinne angeordnet, die das Erz dosiert auf ein Förderband aufgibt, entweder zunächst über ein horizontales Querband oder direkt auf das Förderband. Die ansteigenden Förderbänder fördern das Erz vom Keller des Förderturms zur ersten Übergabestation. In deren Bereich sind je Förderband eine Waage und ein Magnetabscheider angeordnet. Über die Waage wird die Masse des geförderten Erzes ermittelt. Durch die quer zur Bandachse angeordneten Magnetabscheider werden eventuell mitgeförderte, magnetische Fremdkörper aus dem Erzfluss herausgezogen und über Rutschen neben der Bandanlage abgelegt.

Weiterhin befindet sich im Bereich der ersten Übergabestation die Gewichtsspannstation von zwei Förderbändern. In der ersten Übergabestation wird das Erz mittels Übergaberutschen vor den Förderbändern auf zwei andere Förderbänder übergeben. Diese wiederum transportieren das Erz über je einen Bandschleifenwagen zur zweiten Übergabestation, wo das Erz über bauseits vorhandene Rutschen auf das Förderband zur Aufbereitungsanlage Talnach übergeben wird.

In beiden Förderbändern ist je ein Bandschleifenwagen angeordnet. Diese Bandschleifenwagen sind mit elektrischem Fahrantrieb und einer elektromotorisch verstellbaren Rutsche ausgerüstet. Je nach Bedarf kann über diese Bandschleifenwagen das Erz in das Freilager über eine manuell zu öffnende Klappe oder über das Förderband weiter zur Übergabestation 2 fördern. Im Bereich der Übergabestation 2 sind auch die Gewichtsspannstationen der zugeordneten zwei Bänder angeordnet.

Die von SIEMAG TECBERG und dem Elektrolieferanten SIEMENS eingesetzten Systeme und Komponenten sind gemäß den deutschen Bergbauvorschriften ausgelegt und wurden zusätzlich von der russischen Kontrollbehörde GOSSTANDART zertifiziert.

Die südliche Förderung wurde im Dezember 2007 und die nördliche Förderung im März 2009 erfolgreich in Betrieb genommen.

4-Seil-Klemm- und Hubvorrichtung

Die Klemm- und Hubvorrichtung ist auf der Bühne +40,8 m im Förderturm eingebaut. Sie kann auf der Trägerkonstruktion verfahren werden und wird so für beide Förderungen zum Heben und Senken der beiden Trume benutzt.



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